KuuNa - Kultur und Natur

 

 

"Indianerprojekte" in Kindergärten und Schulen

Informationen für pädagogische Fachkräfte und Eltern


"Indianerprojekte" werden sowohl in Kindergärten und Schulen, als auch im Rahmen von Ferienfreizeiten angeboten und sind nach wie vor sehr beliebt. Ich berate seit vielen Jahren pädagogische Einrichtungen bei der Durchführung von Projekten zum Thema "Interkulturelles Lernen - Native Americans" und biete Workshops für die Kinder, Fortbildungsveranstaltungen für LehrerInnen / ErzieherInnen und Elternabende an. Dabei gebe ich  das Wissen weiter, das mir Native Americans vermittelt haben. Oft dienten diese Angebote der Vorbereitung auf den Besuch indianischer Gäste.

 

 

       

Workshop im Kindergarten

 

Ben Wolf zu Gast in einer Schule

 

Deanie

 

 

Trotz jahrzehntelanger Bemühungen, stereotype Vorstellungen aus dem Weg zu räumen, da sie einen kulturellen Austausch massiv behindern, waren wir immer wieder Zeuge "kurioser" Szenen. Erschreckenderweise hat sich daran bis zum heutigen Tag nicht viel geändert. Eine Szene, die sich bei einem Sommerfest abgespielt hat, möchte ich hier schildern:

Während die indianischen Gäste, gekleidet in ihren Trachten, darauf warteten die Bühne zu betreten, lief dort eine Präsentation des Kindergartens. Die Erzieherinnen trugen Faschingskostüme, schwarze Perücken, Stirnbänder mit bunten Federn und hielten Tomahawks in den Händen. In der Mitte der Bühne stand ein bunt bemalter "Totempfahl", um den sie herumtanzten.

Uns verschlug es die Sprache. Wir waren fassungslos und ich hatte anschließend Mühe, die indianischen Gäste trotz allem zum Bleiben zu bewegen. Sie wollten sofort abreisen.

Wenn wir - damit meine ich Native Americans und diejenigen, die mit ihnen befreundet sind oder zusammenarbeiten - erklären, dass solche Aktionen völlig unangebracht sind und dass sie die Gefühle der Native Americans verletzen, erhalten wir sowohl hier, als auch in den USA und Kanada immer wieder die gleichen Antworten:

  • "Das ist nicht böse gemeint."
     
  • "Wir ehren die Indianer, wenn wir uns als Indianer verkleiden."
     
  •  "So stellen sich unsere Kinder die Indianer nun mal vor und wir sollten ihnen diese Vorstellungen nicht kaputt machen."
     
  • "Es gibt wichtigere Themen." etc.


Oft fällt auch die Bemerkung: "Hauptsache, die Kinder haben ihren Spaß!" Diese Aussage impliziert, dass es in Ordnung ist, Kindern falsche Informationen zu geben, solange sie ihren Spaß daran haben. Dies steht jedoch ganz klar im Widerspruch zum Bildungsauftrag.

Wer sagt denn, dass der Spaß bei einer Wissensvermittlung ohne Kitsch und Klischees auf der Strecke bleiben muss? Wir haben im Laufe der vielen Jahre die Erfahrung gemacht, dass sowohl die Kinder, als auch die Erwachsenen jede Menge Spaß an unseren kulturellen Veranstaltungen haben, obwohl wir uns weigern, die gängigen Klischees zu bedienen.

 

 

       

Wigwambau während der Waldwochen

 

Feuerholz bündeln

 

"Feuerstelle"

 

Uns fällt immer wieder auf, dass besonders die Kinder ein sehr großes Interesse daran haben zu erfahren, wie es wirklich war und ist. Die Kinder reagieren viel offener auf neue Informationen, als viele Erwachsene, die nicht von den Vorstellungen aus ihrer eigenen Kindheit abweichen wollen.

 

       

Kunstprojekt "Wir bemalen ein Kindertipi"

 

Freispiel nach dem Aufbau des Kindertipis

 

Tipi-Verschlussstifte  ;-)


Der kulturelle Austausch verliert überhaupt nichts von seiner Faszination, wenn man die ganzen stereotypen Vorstellungen weglässt - ganz im Gegenteil. Es geschieht sehr oft, dass Kinder sich standhaft weigern, ein Pappstirnband mit einer bunten Feder und einen Jutesack mit Fransen anzuziehen, nachdem sie an meinen Workshops teilgenommen haben oder sogar einen Native American zu Gast hatten. "So etwas ziehen Indianer nicht an!" rufen sie dann empört.

 

In Deutschland gibt es viele Menschen, die sich mit Native Americans auf eine ganz besondere Art und Weise verbunden fühlen und deshalb sind viele entsetzt, wenn sie erfahren, dass sie Klischeevorstellungen an die Kinder weitergeben. Es liegt ihnen bestimmt fern, die Gefühle von Native Americans zu verletzen und trotzdem geschieht dies unbeabsichtigt immer wieder.

 

   

"Indianerromantik"

 

mit knisterndem Lagerfeuer

 


Meistens ist es ein Mangel an Wissen, der zu solchen stereotypen Darstellungen führt und es steckt keine böse Absicht dahinter und auch die feste Überzeugung, es sei eine Ehrung der Native Americans, ist weit verbreitet.


Aber spätestens, wenn die Betroffenen selbst deutlich sagen, dass sie nicht so dargestellt werden wollen und dass es ihre Gefühle verletzt, sollten diese Aussagen zu einem Gefühl der Betroffenheit führen und nicht zu höhnischen, sarkastischen und beleidigenden Äußerungen und Rechtfertigungsversuchen, wie dies im Rahmen der "Indianerkostüm-Debatte" geschehen ist. Diese hat deutlich gezeigt, wie groß das Unverständnis bei einer Mehrzahl der deutschen Bevölkerung ist. Sie empfinden das Tragen von verkitschten Kostümen, das den indianischen Nationen in keinster Weise gerecht wird, als vollkommen harmlos. Doch das ist es nicht. Ich werde hier auf meinen Internetseiten in Zukunft noch mehr Informationen zu diesem Thema veröffentlichen.

Eines ist sicher, die stereotypen Vorstellungen werden von den Erwachsenen an die Kinder weitergegeben. Und auch die Medien tragen ihren Teil dazu bei.

Die meisten Unterrichtsmaterialien für Schulen oder Projektmappen für Kindergärten, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, wurden von Europäern und nicht von den Native Americans selbst verfasst und weisen gravierende Fehler auf. Sie enthalten Bastelanleitungen für religiöse Gegenstände, zu denen z.B. auch die "Friedenspfeife" gehört. Sie wird in der Regel von den indianischen Nationen, die sie verwenden, Heilige Pfeife genannt und es handelt sich dabei um einen geweihten Gegenstand, mit dem gebetet wird. Native Americans empfinden es als respektlos, wenn Gegenstände, die ihnen heilig sind, nachgebaut und als Spielzeug verwendet werden.

 

       

Panorama-Bild "Ein Dorf an der
Nordwestküste" - Gruppenarbeit

 

Tipi-Dorf der
Prärieindianer

 

Wigwam-Modell und Rindenkörbchen
Thema "Waldlandindianer"

 

Ein Totempfahl steht auch definitiv nicht in einem Tipi-Dorf, sondern an der Nordwestküste und die dort ansässigen indianischen Nationen unterscheiden sich in Kultur und Sprache massiv von den, als Prärieindianern bezeichneten Völkern, die den Bisons folgten, was mit einem großen und sehr schwerem Totempfahl im Gepäck garnicht möglich gewesen wäre. Mal ganz abgesehen davon, dass man an diesen Pfählen auch keine Gefangenen zu Tode gemartert hat. Eine andere Bezeichnung für den Totempfahl ist Wappenpfahl. Das triift es auch nicht ganz, ist aber für Europäer eher zu verstehen.

Ich kenne keinen einzigen Native American, der sich mit der Hand auf den Mund schlägt, um den Ruf zu erzeugen, der hierzulande als "Indianergeheul" bezeichnet wird, was ganz nebenbei bemerkt, eine Bezeichnung ist, die rassistische Züge aufweist. Das wird in dem Moment deutlich, in dem man das Wort "Indianer" herausnimmt und durch den Namen einer anderen Nation ersetzt (z.B. das "Deutschengeheul" - Autsch).

Dies sind nur einige Beispiele von vielen. Wie bereits geschrieben, wissen wir, dass vieles nicht mit böser Absicht geschieht, sondern einfach ein Mangel an Wissen ist. Jedoch leben wir jetzt im Zeitalter des World Wide Webs und es gibt viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Native Americans bekommen durchaus mit, was hier auf unserem Kontinent geschieht, denn sie sehen sich z.B. die YouTube-Videos an, die manche Kindergärten ins Netz stellen.


Wenn Sie ein "Indianerprojekt" planen und dieses ohne Kitsch und Klischees durchführen möchten, stehe ich Ihnen gerne beratend zur Seite.

 
Carmen Kwasny

 

Weiterführende Links (KuuNa-Internetseiten):

 

Fotoimpressionen eines Kindergarten- und Grundschulprojekts mit Erklärungen

Indianische Künstler

Kulturprogramme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene

Kinder-Tipi-Erlebnisdorf

Tipi-Seminar

"Indianerkostüm - Debatte" - Es ging nie um ein Verbot

 

 

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